Früher war Außenminister ja automatisch = beliebteste Politiker. Dachte oft, das sei alles Smoke & Mirror. Heute frage ich mich, wie viel Gespür Genscher, Fischer & Co. für die auch repräsentative/präsidiale Seite der Rolle hatten. Sowie die Symbolik, als Koalitionspartner auch Gegenpol zu sein.
Jan 23, 2026 09:50Man wirft Politikern schnell vor, dass sie "nur reden". Ich bin überzeugt, dass es essentieller und wichtiger Bestandteil ihres Jobs ist, zu uns als Bevölkerung zu sprechen. (Trump ist da nebenbei auch ein eklatant schönes Beispiel für die Leerstelle. Er schürt zwar Emotionen, aber keine guten.)
Merz füllt aber diese Lücke nicht. Das war leider zu erwarten. Ich gestehe Merz zu, dass er Werte & Ethik hat - aber weder kann er das überzeugend kommunizieren, noch kann er über sich selbst hinaus denken. Strack-Zimmermanns "Flug-Zwerg" war ein überraschend nachhaltig passendes, pointiertes Bild.
Ich wünsche mir so sehr Politiker, bei denen ich zumindest sagen kann: "Okay, deine Ethik ist nicht meine, aber ich kann wenigstens spüren, dass es eine Ethik ist, die über deine kleine Welt hinaus geht. Es gibt eine Haltung an dir, die ich respektieren kann." Merkel hatte das übrigens.
Man muss aber auch sagen, dass seit Angela Merkel das Kanzleramt immer mehr Befugnisse in der Außenpolitik an sich zieht. Der Gestaltungsspielraum eines Außenministers ist heute wesentich kleiner als zu Fischers und Genschers Zeiten.
Ja, habe ich gerade auch in einer Antwort geschrieben. Ich glaube, ich habe einfach einen Phantomschmerz: Ich wünsche mir Regierungspolitiker, die die Kraft der Rede nutzen, um in chaotischen Zeiten Mut oder Inspiration oder Richtung zu geben. Stattdessen rollt Wüstengras durch leere Straßen.